IBOR – Ablösung durch neue Referenzzinssätze

Ablösung der IBORs durch alternative Referenzwerte (engl. RFRs)

Ziel der Umstellung und welche Anforderungen gibt es?

IBOR beschreibt den gebräuchlichen „Interbanken Zinssatz“ und spielt auf den internationalen Finanzmärkten eine zentrale Rolle. Er bezeichnet den gewichteten Angebots-Zinssatz, zu denen sich Banken untereinander kurzfristige Kredite gewähren und wird von einem Banken-Panel ermittelt. Da er in seinen unterschiedlichen Ausprägungen als Basis für eine Vielzahl von Finanzprodukten dient, ist er für nahezu alle Finanzmarktakteure und ihre Geschäftsbereiche relevant.

Die in der jüngeren Vergangenheit aufgedeckten durch Händler vorgenommenen Manipulationen des LIBORs haben die Anfälligkeit einer privatwirtschaftlichen Ermittlung der IBORs aufgezeigt. Der mit dem Vertrauensverlust einhergehende starke Rückgang der Transaktionsvolumina führte zu der Empfehlung des Financial Stability Board, diese Praxis in den verschiedenen Währungsräumen durch eine möglichst transaktionsbasierte und somit weniger manipulierbare Referenzzins-Methode zu ersetzen. Eingesetzte Arbeitsgruppen haben für den jeweiligen Währungsraum Methoden zur manipulationssicheren Ermittlung der Risk Free Rates definiert.

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Neben den Methoden haben die Arbeitsgruppen bereits die Timelines für die Ablösung der alten IBORs festgelegt. Dies erhöht den Handlungsdruck besonders für alle diejenigen Finanzmarktakteure, für die RFRs in mehreren Währungen relevant sind. Vor diesem Hintergrund müssen diese in betroffenen Verträgen, Produkten und Prozessen analysiert und angepasst werden.

In der Folge sollen die zu erwartenden Herausforderungen am Beispiel des neuen Hybrid-EURIBORs skizziert werden. Für den Euroraum müssen Referenzwerte ab 2020 entsprechend der 2016 verabschiedeten Benchmark Verordnung (2016/2011) genau und integer ermittelt werden. Nach aktuellem Verständnis erfüllt neben einer transaktionsbasierten Ermittlung anhand von Marktdaten auch eine nachvollziehbare Schätzung diese Forderung. Die EMMI, als verantwortliche Arbeitsgruppe, hat die Parameter für die Ermittlung des Hybrid-EURIBORs in drei Leveln festgelegt. Neben der Verwendung von Transaktionsdaten aus dem Money Market Statistical Reporting MMSR (Level 1) lässt die EMMI Transaktionsdaten aus geldmarktnahen Geschäften zwischen Finanzinstitutionen, z.B. Floating Rate Notes, aus anderen Datenquellen zu (Level 2). Ebenfalls zulässig für den Fall einer nicht repräsentativen Abbildbarkeit ist in Level 3 auch eine Schätzung der Refinanzierungskosten der beteiligten Panelbanken. Allerdings hat die Testphase einen weit überproportionalen Anteil von Schätzungen (zwischen 57% – 83%)1 ergeben, was eine Genehmigung durch die FSMA als benchmark-konform fraglich erscheinen lässt. Alternativ wird als Fall-Back-Szenario die Verwendung des ESTER als Grundlage für EURIBOR-äquivalente Forward Zinsen erwogen.

1Ergebnisse der EMMI Testphase, Regulierungsnewsletter Börsenzeitung 30.10.2018

Im Juni 2018 hat die EZB die Methodik für den EONIA-Nachfolger, den ESTER, veröffentlicht. Der ESTER soll nach aktuellem Stand im Oktober 2019 eingeführt werden, jedoch mit einer zwei-jährigen Übergangsfrist bis Ende 2021. Dieser wird dann TARGET2-tägig auf Basis, der im Rahmen der Meldung zur Geldmarktstatistik übermittelten Transaktionsvolumina der 52 größten Banken, ermittelt. Aktuell läuft eine Testphase.

Herausforderungen für europäische Finanzinstitutionen

Die Prozessketten der unterschiedlichsten Produkte, die auf den verschiedenen RFRs basieren, sind Front-to-back von der Einführung betroffen. Erschwerend wirken hierbei die kurzen Umsetzungszeiträume für die einzelnen Währungen in den Jahren 2019 bis 2022.
Strategische und operative Herausforderungen

Die Einführung der neuen RFRs verlangt die Betrachtung multipler Aspekte und Bereiche innerhalb von Finanzdienstleistern und ihrem Marktumfeld. Beispielhaft seien folgende Punkte genannt:

  • Meilensteinplanung der Umsetzung von Anforderungen unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Timelines der jeweiligen Arbeitsgruppen
  • Überprüfung und Neuausrichtung interner Absicherungs- und (Re-)Finanzierungsstrategien
  • Anpassung der internen Pricing Models zur Bewertung von Produkten und Positionen
  • Analyse der Auswirkungen der Ablösung der alten IBORs unter Berücksichtigung unterschiedlicher Marktbedingungen (Währungen, Indizes, Rechtsrahmen, Kundensegmente) und Entscheidung über das strategische Vorgehen
  • Untersuchung und Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen von Kunden- und Kontrahentenbeziehungen, um mögliche rechtliche Risiken zu minimieren
  • Identifikation und Analyse der Produktlandschaft auf der Aktiv-, Passiv- sowie Refinanzierungsseite der Finanzinstitute im Hinblick auf notwenige Anpassungen
  • Identifikation und Anpassung betroffener Prozesse, IT-Systeme und Datenschnittstellen
  • Analyse und Entscheidung, wie mit der übergangsweisen parallelen Gültigkeit von IBOR- und RFR-basierten Referenzzinssätzen umzugehen ist (Fallback-Szenarien)

Warum NEXGEN Business Consultants?

Analyse und Bestandaufnahme  

Aufgrund jahrelanger Erfahrung bei der Umsetzung regulatorischer Anforderungen und der damit verbundenen Expertise haben wir eine Analysemethodik entwickelt, die es uns ermöglicht, effizient neue Anforderungen zu identifizieren und diese umgehend umzusetzen. Darüber hinaus sind wir in der Lage auch Optimierungen bestehender Setups durchzuführen.

Darüber hinaus verfügen wir über umfassende Kompetenz zu europäischen Reporting-Anforderungen und vertiefte Settlement- und Produkterfahrungen.

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        Guido Becker

        Managing Partner

        Tel.: +49 151 223 333 75
        E-Mail: guido.becker@nexgenbc.com

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        Senior Consultant

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